Samstag, 24. Januar 2009
 
Heimat, bist du großer Medien? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Stefan Mayer   
Montag, 18. Dezember 2006

Vergangenen Donnerstag, den 14. Dezember, lud die Zukunfts- und Kulturwerkstätte der SPÖ zu den „journalist lectures 2006“, einer Diskussionsveranstaltung, an der mehrere einigermaßen prominent besetzte Podien zum Themenkomplex „Medien in Österreich“ durchaus vielversprechend zu sein schienen. Die Diskussionen kennzeichneten sich dann allerdings durch ein mäßig spannendes Niveau und gegenseitig selbstzufriedenes Schultergeklopfe zwischen Politik und den geladenen Medien.


Vier Themenblöcke standen auf dem Programm, die in jeweils unterschiedlich besetzten Diskussionsrunden debattiert wurden, die Moderation oblag in allen Runden Manfred Lang vom „Friedrich-Austerlitz- Institut“ für JournalistInnenausbildung, das als Kooperationspartner der Veranstaltung firmierte.

Unter dem Titel „Mediengeschichte Österreich: Gründerwelle oder Konzentration?“ bot Roman Hummel, Professor für Journalistik an der Universität Salzburg, einen historischen Aufriss der aktuellen Situation und Entwicklungen der österreichischen Medienlandschaft, wobei er von Christian Jungwirth, dem Geschäftsführer von OKTO-TV um die Perspektive der Freien Radios und des in Österreich erst seit 2005 bestehenden „Communtiy“- Fernsehsenders OKTO ergänzt wurde. Die Frage, ob diese Form des partizipativen „BürgerInnen“ - TVs nicht mittelfristig dazu führen würde, dass qualitativ hochwertiger und professioneller Journalismus durch einen zwar partizipativen, jedoch teilweise dilettantisch oder unseriös recherchierten und produzierten „content“ verdrängt würde, beantwortete Jungwirth mit klaren Worten: der „community“-Sender verstehe sich als Ergänzung zum bestehenden Angebot, die demokratiepolitisch wichtige Funktion professioneller JournalistInnen und Medien solle durch das Angebot des „community“ - TV um die demokratiepolitisch nicht weniger wichtige partizipative Dimension zeitgemäß erweitert werden. 

Die Frage „Gründerwelle oder Konzentration?“ wurde einhellig mit „Gründerwelle UND Konzentration!“ beantwortet, da durch die liberalisierten Bedingungen seit Mitte der 1990er Jahre zwar neue Möglichkeiten und Nischen erschlossen werden konnten, sich aber beispielsweise auch im Bereich der Freien Radios gezeigt habe, dass dem österreichischen Modell liberalisierter Medienlandschaft auch die ständige Gefahr neuer Abhängigkeiten und der Konzentration durch finanzkräftige InvestorInnen innewohnt.

Anschließend fanden Gerlinde Hinterleitner von „derstandard.at“, Markus Huber, Gründer und Chefredakteur des Magazins „Fleisch“, Christian Neugebauer von „Glocalist Media“ und Nina Stastny von der Zeitschrift „fiber – Werkstoff für feministische Popkultur“ den Weg aufs Podium, um unter dem Titel „MedienmacherInnen Österreich“ der Frage „VisionärInnen oder RealistInnen?“ nachzugehen.Wenig überraschend wurde dabei trotz der unterschiedlichen Ansätze der am Podium vertretenen Medien von allen DiskussionsteilnehmerInnen die Erkenntnis gewonnen, dass sowohl Realitätssinn als auch eine wie auch immer geartete Vision notwendig ist, um ein Medium mehr oder weniger erfolgreich betreiben zu können.

Es wurden unterschiedliche Motivationen und Positionen beispielsweise in der Frage der Finanzierung u.ä. dargestellt, so finanziert sich z.B. „Glocalist Media“ ausschließlich über Inserate, ebenso wie „Fleisch“, das jedoch jeweils nur dann erscheint, wenn genügend Geld vorhanden ist. Nina Stastny unterstrich die basisdemokratische Ausrichtung der zweimal im Jahr erscheinenden Zeitschrift „fiber“, die weder ihre RedakteurInnen noch ihre AutorInnen für ihre Tätigkeit bezahlt und daher einen hohen Grad an Identifikation mit dem Medium und Engagement dafür voraussetzt. Gerlinde Hinterleitner meinte ihrerseits, „derstandard.at“ solle in Zukunft nach ihren Vorstellungen noch stärker als bisher ein Primärmedium werden, also von einer wachsenden LeserInnenzahl als erstes konsultierte Quelle, die neben Meldungen und Meinungen auch Original – Dokumente in elektronischer Form zum Download anbietet.

Die Diskussion verlief im Großen und Ganzen wenig kontrovers und kam über die Funktion einer Präsentationsplattform für die erwähnten, einer breiten Öffentlichkeit vielleicht weniger bekannten Medien nicht hinaus.

Unter dem Titel „Medienpolitik Österreich: Patriotismus oder Provinzialität?“ diskutierten schließlich Polit-Entertainer Josef Cap, „SOS – ORF“-Initiator Peter Huemer und Horst Pirker, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender der Styria Medien AG die Zukunft des öffentlich – rechtlichen Fernsehens, das sich laut Peter Huemer nach wie vor durch das Konzept des medialen „Gemischtwarenhandels“ funktioniert: die Diskutanten waren sich darin einig, dass die Herausforderung des ORF darin bestehen werde, in der heiß umkämpften Arena einer sich im Umbruch befindlichen Medienlandschaft sein Profil zu schärfen, um unterscheidbar zu bleiben.

Einerseits müsse man Qualität zu bieten und seinem öffentlich – rechtlichen Bildungsauftrag nachzukommen, andererseits könnte laut Josef Cap der ORF auch nicht nach dem Schema „Ö1 im Fernsehen“ funktionieren, es müsse „natürlich auch Platz für einen Musikantenstadl“ und ähnliches sein. Die Frage sei im Endeffekt, „ob man sich im Ausland für den ORF genieren müsse oder nicht“, aber wenn man sich international umschaue und andere Sender zum Vergleich herziehe, stehe Österreich mit dem ORF trotz den „Fehlentwicklungen“ der letzten Jahre insgesamt gesehen ganz gut da, meinte Herr Dr. Cap. Auf diesem Niveau spielte sich auch die folgende Diskussion ab, wobei Cap auch versprach, die SPÖ werde dafür sorgen, dass auch in Zukunft die „Freiheit des Internet“ garantiert bleibe, ausserdem wolle sie in der kommenden Legislaturperiode die Grundlagen für einen allgemein besseren Schutz für JournalistInnen schaffen, etc. etc. etc.

Den vermeintlichen Höhepunkt erreichte die Veranstaltung schließlich, als unter dem Motto „Medienlandschaft Österreich: Jammertal oder Spitzenleistung?“ der designierte Generaldirektor des ORF, Alexander Wrabetz, Eva Dichand, Schwiegertochter und Herausgeberin einer U-Bahn-Postille, und Oliver Voigt, Generalherausgeber der „News“ – Verlagsgruppe sich gegenseitig versicherten, dass die Frage „Jammertal oder Spitzenleistung?“ eindeutig mit „Spitzenleistung“ zu beantworten sei, wenn Alexander Wrabetz auch ergänzte, dass man weiterhin dafür arbeiten müsse, dass das so bleibe und dass es viel zu tun gebe.

Frau Dichand und Herr Voigt machten noch ein wenig Werbung in eigener Sache (sinngemäß „der Journalismus in Österreich kann nicht schlecht sein, da Zuwachs an Marktanteilen in Höhe von soundsoviel Prozent etc.“), bevor es doch noch einigermaßen spannend wurde und es zu einem kleinen Eklat kam. Ein sichtlich erregter Herr aus dem Publikum sprang auf, um die Diskussion zu unterbrechen und das Wort an sich zu reissen: es sei skandalös, dass seine dem ORF und „News“ vorgelegten Beweise in der „Spitzelaffäre“ des Jahres 2001 nicht geprüft bzw. unterdrückt worden wären, er habe Drohanrufe bekommen und den damaligen „News“ – Herausgeber Wolfgang Fellner beschuldigte er, seine MitarbeiterInnen angewiesen zu haben, der Sache nicht weiter nachzugehen. Doch jegliche Diskussion wurde im Keim erstickt, der Mann zunächst der Lächerlichkeit preisgegeben und danach „kaltgestellt“: wenn er sich nicht ruhig verhalte, werde er des Raumes verwiesen.

Auch andere Einwürfe aus dem Publikum wurden gekonnt ignoriert, nachdem Frau Dichand ihre Bewunderung für ihren Schwiegervater kundgetan hatte, wurde der Einwand, dessen Zeitung bediene teils rassistische Stereotypen (was dann auf die Leserbriefseite eingeschränkt wurde), damit abgetan, dass in Österreich eben die „Pressefreiheit“ gelte.

Einer anderen kritische Frage aus dem Publikum, in der eine Dame von Herrn Voigt wissen wollte, warum er nicht den „Mut habe“, sich ihren Fragen zu stellen, nachdem sein Magazin angeblich ihren Sohn öffentlich verleumdet und bloßgestellt hatte, entgegnete der Angesprochene, dass er sich das Recht vorbehalte, sich auszusuchen, mit wem er reden wolle und mit wem nicht. Die Dame aus dem Publikum kritisierte dabei, dass man im (nicht näher erläuterten) Falle ihres Sohnes die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt habe und nicht beide Seiten angehört habe. Zum Abschluss versprach Herr Wrabetz noch vor versammelter Runde, sich mit den überreichten Dokumenten in Sachen „Spitzelaffäre“ auseinanderzusetzen. Der Gesamteindruck der Veranstaltung fällt eher deprimierend aus: Jammertal oder Provinzialismus? Eher beides.

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